Wie oft verreisen die Deutschen eigentlich pro Jahr? Während für viele Menschen der klassische Sommerurlaub die wichtigste Reise des Jahres bleibt, hat sich bei einem großen Teil der Bevölkerung längst ein anderes Reiseverhalten etabliert: Neben dem Haupturlaub stehen Kurztrips, Städtereisen, Wellnesswochenenden, Besuche bei Freunden oder zusätzliche Auslandsreisen auf dem Programm.
Aktuelle Daten für 2026 zeigen, dass Mehrfachreisen in Deutschland inzwischen weit verbreitet sind. Nach der 42. Deutschen Tourismusanalyse waren 2025 bereits 44 Prozent der Deutschen mehrfach auf Reisen. Damit war fast jeder zweite Bundesbürger mindestens zweimal unterwegs. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil erst bei 15 Prozent. Stiftung für Zukunftsfragen
Wie viele Deutsche verreisen mehrmals im Jahr?
Die wichtigste Kennzahl für die Reisefrequenz lautet derzeit: 44 Prozent der Deutschen waren 2025 mehrfach unterwegs.
Damit hat sich der Anteil der Mehrfachreisenden innerhalb von zehn Jahren nahezu verdreifacht. Die Entwicklung zeigt, dass Reisen für viele Menschen nicht mehr ausschließlich aus einem einzigen großen Jahresurlaub besteht.
Gleichzeitig unternahmen 64 Prozent der Bundesbürger 2025 mindestens eine Reise von fünf oder mehr Tagen. Nur ein Teil dieser Reisenden blieb also bei einem einzigen Urlaub. Stiftung für Zukunftsfragen
| Reiseverhalten | Anteil der Bevölkerung |
|---|---|
| Mindestens eine Reise ab 5 Tagen | 64 % |
| Mehrmals im Jahr unterwegs | 44 % |
| Keine Reise ab 5 Tagen | 36 % |
| Mehrfachreisende vor 10 Jahren | 15 % |
Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Definitionen von Reisen. Der Begriff „mehrmals unterwegs“ umfasst in der Tourismusanalyse das allgemeine Reiseverhalten und sollte deshalb nicht automatisch mit mehreren klassischen Urlaubsreisen von jeweils mindestens fünf Tagen gleichgesetzt werden.
Reisefrequenz steigt langfristig
Der langfristige Trend ist bemerkenswert. Während vor zehn Jahren lediglich 15 Prozent der Deutschen mehrmals im Jahr verreisten, lag der Anteil 2025 bei 44 Prozent. Stiftung für Zukunftsfragen
Dahinter stehen verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen. Reisen werden zunehmend als Ausgleich zum Arbeitsalltag betrachtet. Gleichzeitig sind kurze Reisen einfacher planbar als ein langer Jahresurlaub. Ein verlängertes Wochenende in einer europäischen Stadt lässt sich beispielsweise deutlich leichter in den Kalender integrieren als zwei oder drei zusätzliche Wochen Urlaub.
Auch die wachsende Bedeutung von Kurzreisen trägt zur höheren Reisefrequenz bei.
Kurzreisen erhöhen die Zahl der Reisen
Die Reiseanalyse unterscheidet zwischen klassischen Urlaubsreisen ab fünf Tagen und Kurzurlaubsreisen von zwei bis vier Tagen. Nach aktuellen Daten des VIR unternahmen 2025 rund 34 Millionen Personen mehr als 91 Millionen Kurzreisen. Im Durchschnitt kamen damit 2,7 Kurzreisen pro Person zustande. V-I-R
Das ist für die Interpretation der Reisefrequenz besonders wichtig.
Ein Mensch kann beispielsweise einen zweiwöchigen Sommerurlaub machen und zusätzlich zwei verlängerte Wochenenden verreisen. Statistisch handelt es sich dann nicht nur um einen Urlaub, sondern um mehrere Reisen beziehungsweise Reiseereignisse.
Kurzreisen sind somit ein wesentlicher Grund dafür, dass die Zahl der Reisen deutlich höher liegt als die Zahl der Reisenden.
2025: 57,1 Millionen Menschen machten eine längere Urlaubsreise
Für Urlaubsreisen ab fünf Tagen weist die Reiseanalyse 2026 für 2025 insgesamt 57,1 Millionen Urlaubsreisende aus. Sie unternahmen zusammen 67,7 Millionen Urlaubsreisen. V-I-R
Daraus ergibt sich rechnerisch:
67,7 Millionen Reisen ÷ 57,1 Millionen Reisende = rund 1,19 Urlaubsreisen pro Reisendem
Dieser Wert darf allerdings nicht mit dem Anteil der Mehrfachreisenden gleichgesetzt werden. Er ist lediglich der Durchschnitt aller Urlaubsreisen ab fünf Tagen. Die Gruppe umfasst sowohl Personen mit einer Reise als auch Menschen mit mehreren Reisen.
Die Zahlen zeigen aber, dass ein beträchtlicher Teil der Reisenden mehr als einmal pro Jahr einen längeren Urlaub unternimmt.
44 Prozent Mehrfachreisende – was bedeutet das konkret?
Bei einer Bevölkerung von rund 84 Millionen Menschen entsprechen 44 Prozent theoretisch einer Größenordnung von mehr als 36 Millionen Menschen. Die Zahl ist als überschlägige Umrechnung zu verstehen, da die Tourismusanalyse mit einer bestimmten Grundgesamtheit und Altersabgrenzung arbeitet.
Dennoch macht die Größenordnung deutlich, wie groß die Gruppe der Mehrfachreisenden inzwischen ist.
Zum Vergleich: Würde man die heutigen 44 Prozent mit dem Wert von 15 Prozent vor zehn Jahren vergleichen, hätte sich der Anteil fast verdreifacht.
| Jahr | Mehrfachreisende |
|---|---|
| Vor rund 10 Jahren | 15 % |
| 2025 | 44 % |
| Entwicklung | nahezu verdreifacht |
Quelle: Deutsche Tourismusanalyse 2026. Stiftung für Zukunftsfragen
Einkommen beeinflusst die Reisefrequenz deutlich
Nicht alle Bevölkerungsgruppen verreisen gleich häufig. Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang mit dem Einkommen.
Bei den Besserverdienenden waren laut Tourismusanalyse 63 Prozent mehrfach unterwegs. Bei Menschen mit geringem Einkommen waren es dagegen nur 17 Prozent. Stiftung für Zukunftsfragen
Damit ist die Wahrscheinlichkeit, mehrmals im Jahr zu verreisen, bei höheren Einkommen erheblich größer.
Das ist nachvollziehbar: Mehrere Reisen verursachen nicht nur Kosten für Unterkunft und Anreise. Hinzu kommen Verpflegung, Eintrittsgelder, Aktivitäten und häufig zusätzliche Ausgaben für Gepäck oder Mietwagen.
Wer über ein höheres frei verfügbares Einkommen verfügt, kann solche zusätzlichen Reisen leichter finanzieren.
Wie oft verreisen die Deutschen 2026?
Eine aktuelle Untersuchung des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) kommt für 2026 sogar auf eine durchschnittliche Reisehäufigkeit von drei bis vier Urlaubsreisen pro Jahr. Im Durchschnitt verbringen die Deutschen demnach rund 15 Tage im Urlaub. NIM e.V.
Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Personen aus Haushalten mit einem Nettoeinkommen von mehr als 5.000 Euro kommen laut der Untersuchung durchschnittlich auf vier bis fünf Reisen und rund 21,5 Reisetage. Bei Haushalten mit 1.000 bis unter 2.000 Euro Einkommen sind es dagegen zwei bis drei Reisen und durchschnittlich 8,4 Reisetage. NIM e.V.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass „Reisefrequenz“ nicht allein eine Frage des Wunsches nach Urlaub ist. Die finanziellen Möglichkeiten spielen eine erhebliche Rolle.
Familien verreisen ebenfalls relativ häufig
Auch Familien gehören zu den aktiven Reisegruppen. Laut NIM verbringen Familien mit Kindern durchschnittlich rund 16 Tage im Jahr auf Reisen, verteilt auf etwa vier Reisen. NIM e.V.
Dabei müssen Familien nicht zwingend vier große Urlaubsreisen buchen. Ein typisches Reisejahr kann beispielsweise aus folgenden Elementen bestehen:
- einer zweiwöchigen Sommerreise,
- einem verlängerten Wochenende im Frühjahr,
- einer Kurzreise im Herbst,
- einem zusätzlichen Winter- oder Weihnachtsurlaub.
Die Kombination aus einem längeren Haupturlaub und mehreren Kurzreisen erklärt somit einen Teil der steigenden Reisefrequenz.
Sommerurlaub bleibt der wichtigste Einzelurlaub
Trotz der wachsenden Zahl von Mehrfachreisenden verliert der klassische Haupturlaub nicht seine Bedeutung. Für viele Haushalte bleibt insbesondere die längere Sommerreise der wichtigste Urlaub des Jahres.
Die Reiseanalyse stellte bereits für die vergangenen Jahre fest, dass eine längere Urlaubsreise für die meisten Menschen zum normalen Lebensstil gehört. Selbst bei finanziellen Einschränkungen wird laut FUR häufig eher an anderen Ausgaben gespart als am Urlaub. Reiseanalyse
Mehrfachreisen ergänzen den Haupturlaub deshalb häufig, anstatt ihn vollständig zu ersetzen.
Deutschland oder Ausland?
Mehrfachreisende verteilen ihre Reisen häufig auf unterschiedliche Reisearten. Eine längere Auslandsreise kann beispielsweise mit mehreren Kurzurlauben innerhalb Deutschlands kombiniert werden.
Auch die amtliche Statistik zeigt, dass Inlandsreisen eine wichtige Rolle spielen. 2025 wurden insgesamt 169 Millionen mehrtägige Inlandsreisen registriert. Das waren 3,9 Prozent mehr als 2024 und sogar 5 Prozent mehr als 2019. Destatis
Bei den Auslandsreisen wurden dagegen 105 Millionen Reisen gezählt. Diese Zahl lag 8,3 Prozent unter dem Wert von 2024. Destatis
Dabei handelt es sich um eine andere statistische Abgrenzung als bei der Reiseanalyse, da Destatis private und geschäftliche Reisen mit mindestens einer Übernachtung betrachtet.
Mehr Reisen bedeuten nicht automatisch mehr lange Urlaube
Ein wichtiger Punkt bei der Interpretation der Statistik ist die Reisedauer.
Ein Mensch, der viermal pro Jahr für jeweils drei Tage verreist, hat eine höhere Reisefrequenz als jemand, der einmal drei Wochen Urlaub macht. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass er mehr Urlaubstage zur Verfügung hat.
Deshalb sollte man bei Statistiken zwischen drei Größen unterscheiden:
- Anzahl der Reisenden
- Anzahl der Reisen
- Anzahl der Reisetage
Erst die Kombination dieser Werte vermittelt ein realistisches Bild des Reiseverhaltens.
Wie viel geben Mehrfachreisende aus?
Mehr Reisen können das Jahresbudget erheblich erhöhen. Nach der NIM-Untersuchung liegen die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben für Urlaubsreisen bei etwa 3.000 bis 4.000 Euro. Familien kommen im Durchschnitt auf rund 4.000 Euro. Bei Haushalten mit mindestens 5.000 Euro Einkommen liegt das Reisebudget mehrheitlich sogar zwischen 5.000 und 6.000 Euro. NIM e.V.
Das erklärt auch, warum Reisefrequenz und Einkommen eng miteinander verbunden sind.
Wer beispielsweise einen großen Sommerurlaub mit zwei zusätzlichen Kurzreisen kombiniert, kann schnell mehrere Tausend Euro im Jahr für Reisen ausgeben.
Entwicklung der Mehrfachreisen in Deutschland
Die langfristige Entwicklung lässt sich damit vereinfacht so zusammenfassen:
Früher: Ein großer Jahresurlaub stand für viele Haushalte im Mittelpunkt.
Heute: Haupturlaub plus mehrere Kurzreisen sind für einen erheblichen Teil der Bevölkerung normal.
2026: Fast jeder zweite Deutsche gehört zur Gruppe der Mehrfachreisenden.
Der Trend wird durch günstige Kurzstreckenverbindungen, flexible Arbeitsmodelle, Online-Buchungen und das wachsende Angebot an Kurzurlauben unterstützt. Gleichzeitig ermöglichen digitale Buchungsplattformen eine kurzfristige Planung.
Fazit: Fast jeder zweite Deutsche reist mehrmals im Jahr
Die Statistik zur Reisefrequenz 2026 zeigt eine klare Entwicklung: 44 Prozent der Deutschen waren 2025 mehrfach unterwegs. Vor rund zehn Jahren lag dieser Anteil erst bei 15 Prozent. Stiftung für Zukunftsfragen
Zusätzlich zeigt die aktuelle Reiseanalyse, dass 57,1 Millionen Menschen 2025 mindestens eine Urlaubsreise von fünf oder mehr Tagen unternommen haben. Insgesamt kamen dabei 67,7 Millionen solcher Reisen zusammen. V-I-R
Besonders häufig verreisen Menschen mit höheren Einkommen. Bei Besserverdienenden waren 63 Prozent mehrfach unterwegs, während es bei Geringverdienenden 17 Prozent waren. Stiftung für Zukunftsfragen
Damit entwickelt sich Deutschland zunehmend zu einer Mehrfachreise-Gesellschaft: Der klassische Jahresurlaub bleibt wichtig, wird aber immer häufiger durch Kurztrips, Wochenendreisen und weitere Urlaube ergänzt.
