1. Hinweise auf Wohnnutzung – nicht nur ein Heiligtum
Aktuelle Ausgrabungen deuten darauf hin, dass Göbekli Tepe mehr als nur ein ritueller Versammlungsort war. Funde von Werkzeugen, Mahlsteinen sowie Pflanzen- und Tierresten belegen, dass Menschen längerfristig dort lebten oder sich zumindest dort aufhielten – möglicherweise schon in frühen Ansätzen einer sesshaften Lebensweise.
2. Revolutionäre Zeitsysteme – Der älteste Kalender?
Forschende um Dr. Martin Sweatman von der Universität Edinburgh schlagen vor, dass die V-förmigen Ritzungen an einem der Pfeiler ein lunisolaren Kalender darstellen – mit 12 Monaten und 11 zusätzlichen Tagen, womöglich sogar die Länge eines Sonnenjahres vor Augen haltend. Außerdem deuten Symbolik und Anordnung auf eine Verbindung zu Himmelsbeobachtungen – etwa die Sommersonnenwende oder Meteorschauer wie den Taurid-Strom.
3. Noch viel verborgen – konservieren statt ausgraben
Nur ein kleiner Bruchteil des Areals ist bislang ausgegraben: Wikipedia nennt etwa 10 %, andere Quellen sprechen sogar nur von 5 %. Türkische Behörden verlagern die Ausgrabungskonzepte: Statt großflächiger Ausgrabungen liegt der Fokus nun auf Erhalt und Schutz der bereits freigelegten Strukturen. Eine vollständige Erforschung des Hügels könnte, so der aktuelle Plan, bis zu 150 Jahre in Anspruch nehmen.
4. Monumentale Kunstwerke & Taş Tepeler-Kontext
Neuere Funde zeigen reich verzierte und bemalte Skulpturen: Beispielsweise wurde eine Wildschwein-Statue mit Farbresten (rot, weiß, schwarz) entdeckt – eine der ältesten bekannten bemalten Statuetten. Zudem liefert die benachbarte Taş Tepeler-Region (u. a. Karahan Tepe, Sayburç) zusätzliche Schatzfunde: Tierknochen, Skulpturen, Ritualobjekte und Sitze – ein Hinweis auf eine weit verbreitete, kultisch geprägte Gemeinschaft.
5. Interdisziplinäre Forschung & internationale Zusammenarbeit
Das laufende Forschungsprojekt umfasst inzwischen 33 akademische Institutionen weltweit – darunter türkische, britische, deutsche, japanische und bald chinesische Partner. Die Vernetzung stärkt die interdisziplinäre Erforschung und Interpretation der komplexen Befunde.
Fazit
Göbekli Tepe ist längst weit mehr als ein archäologisches Monument. Die neuesten Erkenntnisse deuten darauf hin:
- Das Anwesen war möglicherweise auch bewohnt – sesshaft oder zumindest temporär –, nicht nur ritualer Ort.
- Es könnte eines der frühesten, vielleicht sogar das älteste bekannte Kalendersystem der Menschheit beherbergen, einschließlich astronomischer Kenntnisse.
- Der Großteil bleibt noch verborgen – und soll langfristig geschützt, nicht einfach ausgegraben werden.
- Die Umgebung gehört zum kulturellen Nexus einer frühen, megalithisch geprägten Gemeinschaft – mit weitreichenden Implikationen für unser Verständnis der Anfänge der Zivilisation.
Göbekli Tepe Latest: NEW 2024 Archaeology Update, Discoveries & Theories
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